Glutaminsäure drängt auf Selbstmord

Von der University of Michigan (USA) wird berichtet, dass der Wunsch, das Leben zu beenden, mit einem erhöhten Spiegel im Gehirn des Neurotransmitters Glutamat verbunden sein kann. Es ist bekannt, dass die Arbeit von Glutamat von der Anwesenheit von Chinolinsäure abhängt: Sie veranlasst die Zellen, diesen Neurotransmitter intensiv zu nutzen. Je intensiver es ist, desto intensiver arbeiten die neuronalen Schaltkreise mit Glutamat-Impulsen. Forscher untersuchten den Gehalt an Chinolinsäure in Gehirn-Rückenmarksflüssigkeit bei Hunderten von Patienten, von denen zwei Drittel nach einem gescheiterten Suizidversuch ins Krankenhaus eingeliefert wurden.

In einem Artikel, der in der Zeitschrift Neuropsychopharmacology veröffentlicht wurde, schreiben die Autoren, dass der Gehalt an Chinolinsäure (und damit die Aktivität der Glutamat-Impulse) vollständig mit der Suizidalität zusammenfällt. Das heißt, bei fehlgeschlagenen Selbstmorden war der Gehalt an Chinolinsäure im Durchschnitt doppelt so hoch, und außerdem, je mehr es war, desto schmerzhafter wurden die Gedanken gestochen. Sechs Monate später, die Forscher wieder die gleichen Leute untersucht, und diejenigen, die Selbstmordgedanken hatten, verschwanden, und die Höhe der Säure auch verringert.

Angesichts dieser Daten kann man verstehen, warum Entzündung im Nervengewebe oft als der führende Faktor in der Suizidstatistik bezeichnet wird: Der Gehalt an Chinolinsäure steigt. Vielleicht würde dies, wenn es wirksame Blocker von Glutamin oder seinen Rezeptoren für Psychiater und Psychoneurologen gäbe, viele Leben retten.

Die notwendige Wirkung hat übrigens das Medikament Ketamin, aber seine breite Anwendung ist aus naheliegenden Gründen unmöglich: seine Nebenwirkungen sind zu ausgeprägt. Die Forscher haben nun eine klare praktische Aufgabe: ein Medikament zu entwickeln, das den Glutaminsäuregehalt im Gehirn senken und so die Entstehung suizidaler Stimmungen verhindern kann.